theYoung | O Happy Grey | Schablonenarbeiten

Oktober 2008
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Tim Youngs Bilder verweigern sich Eindeutigkeiten, stattdessen feiern sie das Mehrdeutige, Ungenaue, Unbestimmbare, Graue … Oh happy Grey!
Und dann ist da noch die Veränderung des Kontextes: Dadurch, dass die Schablone in immer anderen Umgebungen angelegt werden kann, können die Bedeutungen erweitert werden. Bei der Wiederholung in anderen Kontexten werden neue und bisher unerkannte Bedeutungen ermöglicht und starre Grenzen aufgelöst. Die Möglichkeit der ständigen Veränderung des Kontextes ist in der Stencil Art Programm – in den Arbeiten von Tim Young wird diese Möglichkeit zum eigenen Thema. Die Pappe, auf die Tim Young, seine Schablonen angelegt hat, ist dafür ein wundervolles Beispiel: Zum einen stellt die Pappe einen Bruch mit den üblichen Kontexten der Kunst – so z.B. der klassischen Leinwand dar – zum anderen wird hier die Grenze zwischen Bilduntergrund und Bild, zwischen eigenem und anderem verwischt, wird das Bild des Engel durch den Strahlenkranz, der in die Pappe gekratzt wurde, weitergeführt.
Tim Youngs Arbeiten schaffen es, die Afrika-Schablonen der Kindertage zu dekonstruieren. Die Bilder von Tim Young sind Schablonen, die übertreiben, die Brüche aufzeigen und Grenzen auflösen, es sind Bilder, die der Mehrdeutigkeit und Vielfältigkeit ihrer Inhalte Rechnung tragen, es sind Bilder, die solche Verschiebungen aufzeigen, die notwendig passieren, wenn Bedeutungen durch Wiederholungen produziert werden und es sind Arbeiten, die die durch Übertreibungen das Graue, Mehrdeutige, Brüchige zeigen und bejahen - in diesem Sinne: Let there be more Grey!

Auszug aus der Eröffnungsrede von Prof. Dr. Melanie Plößer, Fachhochschule Kiel