Vera Brüggemann | | Zeichnung

Oktober 2010

Was aber allen Arbeiten dieser Ausstellung gemeinsam ist, scheint mir eine Sehnsucht des Herzens zu ein, deren Wege Vera in ihnen darstellt, ohne über sie zu urteilen. Mit ihrem klaren Blick für die kleinen und manchmal beschämenden Begierden und Affekte entwirft sie gleichzeitig ein moralisches und ein amoralisches Bild des Menschen. Amoralisch im Sinne einer Libertinage, die sich um den bürgerlichen Kodex des guten Benehmens reichlich wenig schert - moralisch im Sinn, dass sie für eine Ganzheit der Person plädiert, die nicht versucht Unerwünschtes und Lächerliches auszublenden, zu schönen oder weg zu therapieren. Ich mag diese Unvoreingenommenheit und das beinahe wissenschaftliche Interesse, mit dem Vera dabei ihrem Gegenüber und sich selbst entgegentritt.

Auszug aus der Eröffnungsrede von Martin Reinhardt, Wien

Vera Brüggemann